Unter Strom -
Auf der Suche nach der Energie von morgen (44 Min., NDR 2008)


Buch/Regie: Carsten Rau und Hauke Wendler
Redaktion: Christoph Mestmacher
Produktion: PIER 53 Filmproduktion


Das Ja der Politik zum Atomausstieg steht. Aber wie lange noch? Und was bedeutet das Ausstiegsszenario für die Energieversorgung in Deutschland, wenn Kohlekraftwerke immer schwerer durchzusetzen sind? Windräder liefern nur Strom, wenn es weht - mit welchem Energiemix sind wir zukunftsfähig? Gehen in Deutschland bald die Lichter aus? Die Autoren machen sich auf die Suche nach der Energie von morgen.

Umweltverbände und Bundesregierung setzen auf den zügigen Ausbau der Windenergie. Schon heute stehen in Deutschland mehr Windräder als in irgendeinem anderen Land der Welt. Die Autoren führen den Zuschauer von den Windparks zur größten Netzleitwarte Deutschlands, in der Ingenieure den europäischen Stromtransport organisieren. Dort steht der Leiter Joachim Vanzetta vor einem riesigen Monitor, so breit und hoch wie ein Haus: "Zwanzigtausend Megawatt Strom könnten die deutschen Windkraftanlagen insgesamt liefern", so Vanzetta. "Aber heute haben wir wieder Flaute. Da gibt es kaum Windstrom. Also müssen wir Strom dazukaufen, für mehrere Millionen Euro am Tag. Dazu sind wir per Gesetz verpflichtet."

Die Stromkonzerne setzen weiter auf Kohle, trotz zunehmender Kritik und trotz Widerstand der Bevölkerung. Allein die Kohlekraftwerke der RWE produzieren 178 Millionen Tonnen Kohlendioxid pro Jahr, so viel wie kein anderer europäischer Konzern. "Das ist unverantwortlich", sagt Gerd Rosenkranz von der Deutschen Umwelthilfe, "bei der Stromerzeugung dürfen wir nicht an einer veralteten Technologie festhalten und das Weltklima immer weiter schädigen."

Die Dokumentation "Unter Strom" lässt Befürworter und Kritiker der wichtigsten Energieformen zu Wort kommen und gewährt seltene Einblicke, zum Beispiel in die Leitwarte des Kernkraftwerks Brokdorf. Andere Drehorte sind der deutsche Braunkohletagebau mit den größten Baggern der Welt, das umstrittene geplante Atommüll-Endlager in Gorleben und die Strombörse in Leipzig, an der auch Banken auf steigende oder fallende Strompreise setzen.

Wie auch immer der deutsche Strom in Zukunft erzeugt wird: Der zunehmende europäische Stromhandel, die Kraftwerksneubauten weit weg von den Verbrauchern und der Aufbau immer neuer Windräder im dünn besiedelten Norddeutschland erzwingen einen schnellen Ausbau des deutschen Stromnetzes. Doch der kommt nur schleppend voran. Denn Bürgerinitiativen leisten allerorts Widerstand - nicht nur gegen Atomenergie, Windräder und Kohlekraftwerke, sondern auch gegen neue Stromleitungen.